Start Verlagsprogramm Links   Impressum

 


 

 

Pressespiegel

 

MARCO BIRN
Bildung und Gleichberechtigung


Die Anfänge des Frauenstudiums an der Universität Heidelberg

Kontakt:


Kurpfälzischer Verlag

Dr. Hermann Lehmann
Dreikönigstraße 10
D-69117 Heidelberg

Fon +49-(0)6221-20503
Fax +49-(0)6221-28695

kurpfaelzischer.verlag@t-online.de

 

Bankverbindung:

Commerzbank Heidelberg
Konto: 1841980
BLZ: 672 400 39

webmaster


Rhein-Neckar-Zeitung

Heidelberg
16.04.2012


Frauen, diese "störenden Erscheinungen"

Die Anfänge der Studentinnen an der Universität
- Vorstellung eines neuen Buchs und Eröffnung einer Ausstellung

 

Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein gehörten Frauen traditionell nicht in die akademische Welt. Nur sehr zögerlich brachen verkrustete Strukturen langsam auf und veränderte sich das universitäre Rollenbild. Unter dem Titel „Bildung und Gleichberechtigung. Die Anfänge des Frauenstudiums an der Universität Heidelberg" legt der Heidelberger Historiker Marco Birn erstmals eine ausführliche Untersuchung zu dieser Thematik vor. Morgen wird sein Buch im Universitätsarchiv vorgestellt und eine Ausstellung zum Thema eröffnet. Diese zeigt zentrale Aktenstücke aus dem Archiv und verdeutlicht die Diskussion um die Zulassung von Frauen zum Studium. Darüber hinaus werden auch einige der ersten Studentinnen an der Ruperto Carola vorgestellt. Zu der Eröffnungsveranstaltung mit Buchpräsentation lädt der Freundeskreis für Archiv und Museum der Universität Heidelberg ein.
         „In Heidelberg erkannte eine anfangs noch sehr kleine Gruppe von Professoren, unter ihnen vor allem Naturwis­senschaftler, das intellektuelle Potenzial junger Frauen, die sich gegen erhebliche Widerstände um einen Zugang zur Uni­versität bemühten", erklärt Marco Birn. Mit der Russin Sofja Kovalevskaja fand 1869 die erste Hörerin Zugang zur Ruperto Carola. Doch schon bald wurde der „misslichen und störenden Erscheinung" wieder Einhalt geboten, wie der Heidelberger Historiker erläutert. Erst als am Ende des Jahrhunderts schließlich auch weibliche Schulabgänger mit Reifezeugnis die gleichen Bildungsansprüche einfordern konnten wie männliche Abiturienten, regelte Baden zu Beginn des Jahres 1900 als erstes Land in Deutschland die ordentliche Immatrikulation von Frauen.
           Im folgenden Sommersemester gehörten zu den regulär Studierenden der Universität Heidelberg erstmals vier junge Damen. Unter ihnen auch Rahel Goitein. Sie studierte als erste Frau an der Medizinischen Fakultät. Allerdings wurden die Frauen „zunächst nur Versuchs- und probeweise" an der Ruperto Carola immatrikuliert. Doch schon sehr schnell entwickelte sich das „Experiment Frauenstudium" zu einer Erfolgsgeschichte. „Die Universität Heidelberg war nicht nur ein Vorreiter auf dem Weg hin zu gleichberechtigten Bildungschancen, sie war lange Zeit die bei den jungen Studentinnen beliebteste Universität Deutschlands mit einem weit überdurchschnitt-lichen Frauenanteil", sagt Marco Birn.
             Der Zeitraum seiner Untersuchung, die vom Freundeskreis für Archiv und Museum der Universität Heidelberg gefördert wurde, reicht von den Anfängen der Diskussion um Akademikerinnen im 19. Jahrhundert über die ersten Hörerinnen und Promotionen bis hin zu Lebenswelt und Studienalltag der ersten regulären Studentinnen. Neben den historischen Quellen in den Akten des Universitätsarchivs werden auch die autobiografischen Schriften der ersten Heidelberger Studentinnen berücksichtigt.
              In seinem Vortrag zur Eröffnung referiert der Autor über „Das Frauenstudium in Heidelberg im Spiegel biografischer Quellen". Die Eröffnungsveranstaltung am 17. April findet im Universitätsarchiv, Akademiestraße 4-8, statt und beginnt um 18.30 Uhr. Die Ausstelung (bis zum 9. August), ist dienstags und mittwochs von 9 bis 18 sowie donnerstags von 9 bis 12.30 Uhr geöffnet.



Rhein-Neckar-Zeitung

Heidelberg
04.05.2012


Als die Männerdomäne Universität ins Wanken geriet

Der Heidelberger Historiker Marco Birn hat ein Buch über die Anfänge des Frauenstudiums in Heidelberg geschrieben

 
Von Arndt Krödel
Ein persönliches Aufsuchen des Dozenten in seiner Wohnung war notwendig, um dessen Erlaubnis einzuholen, als Hörerin an seiner Vorlesung teilzunehmen: Frauen hatten es vor knapp 150 Jahren schwer, wenn sie ihren Wunsch umsetzen wollten, ein Studium an der Heidelberger Universität aufzunehmen. Die akademische Welt war den Männern vorbehalten, und entsprechend einseitig waren schon die Zulassungs-voraussetzungen formuliert - Frauen kamen überhaupt nicht vor. 1869 gelang es der Russin Sofja Kovalevska ja als erster Frau, das männliche Bollwerk Ruperto Carola zu knacken und Mathematikvorlesungen bei Leo Koenigsberger zu besuchen. Weitere Hörerinnen folgten ihr, vor allem in den Naturwissenschaften.
          Über diese Zeit der gesellschaftlichen Umbrüche auf akademischer Ebene hat der Historiker Marco Birn ein Buch geschrieben, das unter dem Titel „Bildung und Gleich-berechtigung" die Entwicklung des Frauenstudiums an der Universität Heidelberg bis 1918 verfolgt. Bei einer Veranstaltung im Universitätsarchiv, wo bis 9. August eine Aus-stellung zu diesem Thema gezeigt wird, stellte der Autor seine Untersuchung im Spiegel biografischer Quellen vor. Deutschland war seinerzeit, was die volle Zulassung von Frauen zum Studium betraf, in Europa das Schlusslicht. Immerhin war das fortschrittliche Land Baden das erste im deutschen Kaiserreich, das im Sommer 1900 Frauen zur Immatrikulation zuließ.
           Die Gruppe der weiblichen Studierenden in Heidelberg war gerade zu Beginn alles andere als homogen, wie Birn feststellte: Zum einen gab es die jungen Abiturien-tinnen, zum anderen viele ältere Frauen - Lehrerinnen oder Intellektuelle, die schon vorher in der Frau­enbewegung aktiv waren. Es studierten sowohl Töchter aus wohlha-benden Fa­milien als auch solche, die größere Prob­leme hatten, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Zu ihnen zählte die in Karlsruhe geborene Rahel Goitein, erste Medizin-studentin der Heidelberger Uni­versität. Geld hatte sie eigentlich nie, wie sie selbst später schrieb. Ohne Unterstützung ihres Onkels hätte sie das teure Medizinstudium nicht absolvieren können, während des Grundstudiums verdiente sie durch Nachhilfe dazu.
             Die meisten Frauen wohnten in ein­fachen Zimmern. Viele wechselten während des Studiums mehrfach ihre „Bude", wie der Autor berichtet. Elisabeth Flitner, Studentin der Nationalökonomie, die während des Ersten Weltkriiegs nach Heidelberg kam, be-klagte: „Die Häuser waren verwohnt, die Zimmer altmodisch, mit abgerissenen Tapeten und trüben Fenstern". Auch die Emährungslage war für die weniger Betuchten unter den Studentinnen nicht gerade rosig. Oft mussten sie auf eine warme Mahlzeit am Tag verzichten. Die Eröffnung der Mensa war dann ein Fortschritt.
              Und wie reagierten die Studenten auf ihre weiblichen Kommilitonen? Die meisten begegneten den Frauen des gleichen Standes als „potenzielle Heirats-kandidaten", beschreibt der Autor ihren Rückgriff auf „erlerntes Ballsaalverhalten", andere zeigten zunächst „eine freundliche Distanz". Die Studentin Käte Frankenthal konnte keine Feindseligkeit seitens der Männer feststellen, allerdmgs auch keine Rücksichtnahme, „eher im Gegenteil".

 
   
  Gruppenbild mit Dame:Die spätere Heidelberger Medizinstudentin Dora Selig mit ihrem Abiturjahrgang 1911 am Gymnasium Worms.                                                  Repro: Aus dem besprochenen Buch
 

 

 

HEIDELBERG -
         Jahrbuch zur
         Geschichte
         der Stadt

    Bd.17    2013

 

 

Rezension S.293-295

 


von Petra Nellen


Im April 2012; stellte Marco Birn im gut besuchten Universitätsarchiv seine Monographie über die Anfange des Frauenstudiums in Heidelberg der Öffentlichkeit vor. Sie ist zu-gleich die Magisterarbeit des Autors und wurde vom Freundeskreis für Archiv und Mu-seum der Universität Heidelberg gefördert; eine Ausstellung im Archiv begleitete die Veröffentlichung.
           In vier Kapiteln beschreibt der Autor die Anfange des Frauenstudiums in Heidel-berg, beginnend mit der Gasthörerin Sofja Kovalevskaja i869 bis hin zu den Immatrkula-tionszahlen der Studentinnen des Jahres 1918 (497 eingeschriebene Studentinnen bzw. 17.7% der gesamten Studentenschaft).
           Im ersten Abschnitt rekapituliert Marco Birn den Forschungsstand zur Ausgangs-situation im 19. Jahrhundert. Ideologische Grundlagen wie das dualistische Geschlech-ter­konstrukt, pseudowissenschaftliche Nachweise über die mangelnde intellektuelle Leistungsfähigkeit der Frau bis hin zum Fehlen von Bildungseinrichtungen, die Frauen zum Abitur und damit zur notwendigen Voraussetzung für ein Hochschulstudium führten, schufen eine Gemengelage, die es Frauen prak­tisch unmöglich machte, ein Hochschul-studium zu absolvieren.
           Während die Frauenbewegung vehement für die Zulassung der Frauen zum Hochschulstudium kämpfte, wurde die Universität Heidelberg selbst quasi zum Schau-platz des Pro und Contra im Kleinen. Nach einer liberalen Phase beginnend mit dem Antrag Sofja Kovalevskajas 1869 kam es 1873 durch einen Senatsbeschluss zunächst zu einem rigorosen Ausschluss weiterer Gasthörerinnen. Erst als die naturwissen-schaftlich-mathematische Fakultät 1891 intervenierte und zudem durch das badische Kultusmi-nisterium unterstützt wurde, konnten in den 1890er Jahren wieder vermehrt Frauen als Gasthörerinnen verzeichnet werden. 1894 setzte die gleiche Fakultät -wieder mit Unterstützung des Kultusministeriums - ebenfalls die Möglichkeit zur Promotion für Frauen durch.
           Parallel zur spürbaren Öffnung der Heidelberger Universität gegenüber dem Frau-enstudium schuf die Frauenbewegung Fakten, indem sie Mädchen und jungen Frauen die Möglichkeit verschaffte, das Abitur abzulegen. In Baden wurde die Einrichtung des Karls­ruher Mädchengymnasiums wegweisend. Nachdem die ersten Schülerinnen das Abitur abgelegt hatten, blieb das Kultusministerium bei seiner fortschrittlichen Politik und ließ Frauen an den badischen Universitäten Heidelberg und Freiburg zur ordent-lichen lmmatri­kulation zu. Eine Zäsur in der Geschichte der Frauenbildung.
           Marco Birn untersucht im zweiten und dritten Kapitel seiner Arbeit die quantitative Entwicklung des Frauenstudiums in Heidelberg unter den neuen Bedingungen. Er stützt sich auf umfangreiches Datenmaterial des Universitätsarchivs, deren elektronische Er-fassung der frühere Direktor Prof. Dr. Werner Moritz initiierte. Demnach blieb in den ersten Jahren bis zum Sommersemester 1904 die Anzahl der Studentinnen durchaus überschaubar. Dies erlaubt es Birn, eine ganze Reihe der ersten Studentinnen einzeln vorzustellen Die Zeit ist geprägt durch die parallel anwesenden Gasthörerinnen und ordentlich immatri­kulierter Studentinnen. Statistische Auswertungen z.B. zu Alter, Her-kunft. Vorbildung und Fächerwahl trifft Birn sinnvoller Weise für diesen Zeitraum also nur mit besonderer Vorsicht
           Mit dem Wintersemester 1904/1905 besuchten erstmals mehr ordentlich imma-triku-lierte Frauen die Universität Heidelberg als Gasthörerinnen. 1908 fiel auch die einschränkende Bestimmung, dass Frauen nur „Versuchs- und probeweise" zu imma-trikulieren seien. Studierende Frauen waren zu einer Selbstverständlichkeit geworden - wenn auch immer noch in geringerer Anzahl als Männer: Trotz kontinuierlichen Anwach-sens der Immatrikulationen erreichte der Studentinnenanteil 1918 in Heidelberg 17.7%. Dennoch erlaubt die Datenbasis Birn, nun valide und differenzierte Auswertungen über die Heidelberger Studentinnen zu treffen. Mit zahlreichen Grafiken veranschaulicht der Autor seine Ergebnisse Neben dem kontinuierlichen prozentualen Anstieg des Frauen-studiums analysiert er Fächerwahl, geografische Herkunft, Religionszugehörigkeit, so-ziale Herkunft und Alter. Den größten Raum nimmt die Darstellung der Studentinnen und ihrer Studiensituation innerhalb ihrer Fakultäten ein. Die statistischen Angaben ergänzt Birn durch zeitgenössische Zitate von Studentinnen und Dozenten, so dass ein recht lebendiges und zugleich differenziertes Bild der Studiensituation in den Anfangen des Frauenstudiums entsteht. Leider finden sich hier gelegentlich Ungenauigkeiten in der Darstellung, die ein falsches Bild suggerieren. Weder war Camilla Jellinek Juristin im eigentlichen Sinne (sie hörte wohl einige Vor-lesungen in Jura, war Vorsitzende der Heidelberger Rechtsschutzstelle für Frauen und erhielt 1930 die Ehrendoktorwürde der juristischen Fakultät) noch war Lili Wachenheim 1918 die erste bei der BASF ange-stellte Chemikerin (dieses Prädikat verdient Marie Baum, 1899 in Zürich promovierte Chemikerin, die 1899 bis 1902 in der Patent-abteilung der BASF arbeitete).
           Im vierten Kapitel umreißt der Autor die Lebenssituation der frühen Heidelberger Studentinnen. Die sozialgeschichtlich orientierte Darstellung bildet einen lebhaften Gegenpol zur natürlicherweise trockenen Kost statistischer Auswertungen. Basierend auf auto­biografischen Quellen werden die oftmals schwierigen Lebensbedingungen, mit denen die ersten Studentinnen zu kämpfen hatten, sehr eindrücklich geschildert. So z.B., wenn es um Wohnungsfragen oder den Lebensunterhalt, aber auch um die Aner-kennung der Stu­dentinnen in einer Männerdomäne und die Bezweiflung ihrer intellektu-ellen Fähigkeiten geht.
           Interessant ist auch die Frage nach der Selbstorganisation der ersten Studentin-nen in Vere­nen, der der Autor nachgeht. Eine erste Organisationsstruktur bildete sich bereits im Winterse­mester 1902/1903. Diese blieb aber in der ersten Zeit ein loser studentischer Zusammenschluss, denn der Antrag auf Anerkennung eines Vereins wur-de von der Univer­sität aufgrund der großen Zahl von Mitgliedern, die „nur" Gasthörerin waren, abgelehnt. Hier kommt zum Tragen, dass es zunächst parallel zu den ersten rite, also ordentlich immatrikulierten Studentinnen viele Gast­hörerinnen gab und somit eine Diskrepanz zwischen zahlenmäßiger Präsenz und differierendem Status zu überbrücken war. So nachvollziehbar die Begründung der Universität ist, ging es selbstverständlich um mehr als die bloße formale Anerkennung eines Studentinnenvereins. Ziel der Stu-dentinnen war die Anerkennung als vollwertige Mitglieder der Universität, die politische Teilhabe in den Gre­mien der Universität und damit die unterschiedslose Integration in die Universität.
           Marianne Weber war die Bedeutung der Organisation der neuen Studentinnen durch-aus bewusst. Bekannt ist ihr enttäuschtes Verhältnis zu den ersten Studentinnen, die wohl die Früchte des Kampfes der Frauenbewegung um verbesserte Bildung ernte-ten, aber zunächst nicht bereit waren, sich in den bewährten Strukturen der Frauenbe-wegung zu engagieren. Der Versuch, die ersten Studentinnen in den Verein Frauen-bil-dung-Frauen­studium zu integrieren, scheiterte gründlich. Einige Jahre später jedoch beantragten die Studentinnen auch die Aufnahme in den Dachverband der Frauen-be-wegung Bund Deut­scher Frauenvereine (BDF).
          Wahrend dem Autor mit der Thematik Marianne Weber und dem Verhältnis der ersten Studentinnen zur Frauenbewegung ein Brückenschlag zur Heidelberg-Forschung gelingt, bleiben weitere Konnotationen leider unbeachtet. Obwohl sozialgeschichtlich orientiert, zieht er zum Beispiel nicht die Ergebnisse Hans-Martin Mumms über die Pension Friedau in der Gaisbergstraße zu Rate, in der 40% der studierenden Pensions-gäste Frauen waren (vgl. Jahrbuch zur Geschichte der Stadt 2011). Ebenso fehlt der Rekurs auf die Frauengeschichtsforschung seit den 1980er Jah­ren. Hier wurden ohne die heutigen Möglichkeiten der elektronischen Datenverarbeitung und ohne die Wert-schätzung dieser Thematik bereits beachtliche Ergebnisse publiziert. Exemplarisch sei-en Heidi Lauterer-Pirner und Margret Schepers-S.-W. Margret Schuchard oder Gerlinde Horsch genannt.
          Inhaltlich wäre ein Ausblick über Baden und das Jahr 1918 hinaus wünschenswert. Eckdaten zur Zulassung von Frauen zum Hochschulstudium im übrigen Deutschen Reich und im Ausland wären aufschlussreich, um die badischen Bedingungen auch in einen größeren Kontext einord
nen zu können. Die Darstellung des Siegeszugs des Frauenstu-diums im gewählten Zeitrahmen von 1869-1918 Ist schlüssig. Jedoch zeigt eine Be-trachtung der ersten Nachkriegsjahre nach dem Ersten Weltkrieg, dass es sich nicht um ein Kontinuum stetig zunehmender Anerkennung handelte. Nach 1918 kam es zu einem tiefgreifenden Rollback, das alle Ressentiments gegen das Frauenstudium wieder auf-leben ließ. In den Nachkriegsjahren mussten Frauen im Zulassungsantrag einen „be-rechtigten Grund" für ihren Studienwunsch in Heidelberg nachweisen. Ansonsten blie-ben die Studienplätze vor­rangig den heimkehrenden Soldaten vorbehalten.
           Die Stärke der Monographie liegt in der detaillierten Auswertung der Datenbasis des Universitätsarchivs. Damit leistet sie einen wichtigen Beitrag zur Erforschung von Stadt und Universität Heidelberg. Durch die Verknüpfung mit Zitaten aus den Autobio-graphien der frühen Studentinnen erreicht der Autor ein hohes Maß an Lebendigkeit in der Darstellung.